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Bindung und Autonomie

Das Ringen um die individuell richtige Balance zwischen Bindung und Autonomie begleitet uns ein Leben lang. Besonders konflikthaft kann es in Paarbeziehungen werden. Nicht nur, dass wir mit uns selbst diese Balance unter sich verändernden Lebensbedingungen immer wieder neu finden müssen. In einer Partnerschaft treffen zwei unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, wie Verbundenheit und eigene Wege untereinander austariert werden sollten. Wir ringen also sowohl mit uns selbst als auch mit dem Partner über die richtige Balance in verschiedenen Lebenssituationen.

 

Die Vereinbarkeit von Bindung und Autonomie in einer Partnerschaft führt oft erst in späteren Beziehungs-stadien zu Konflikten, weil dies selten ein Thema in der ersten Phase der Verliebtheit ist. Der symbiotische Vereinigungswunsch, der für diese Phase charakteristisch ist, lässt solche Fragen zunächst gar nicht aufkommen. Erst wenn ein gemeinsamer Alltag zu gestalten ist, stellt sich oft heraus, dass die Partner ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie viel Verbundenheit und wie viel Freiraum der Einzelne braucht.

 

Wenn Partnerschaftskrisen nicht mehr aufgelöst werden können, sondern im Gegenteil immer weiter eskalieren, ist oft eine gestörte Balance zwischen Autonomie- und Bindungsbedürfnissen eine wesentliche Ursache hierfür. Eine wichtige Voraussetzung für eine möglichst konfliktfreie Balance ist dabei die Fähigkeit, klar zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen des Partners zu unterscheiden. Denn nur dann ist es möglich, eigene Wünsche und Sehnsüchte sowie die als Enttäuschung oder Verletzung erlebten Verhaltensmuster des Partners offen anzusprechen und zu klären. Gelingt dies nur einer Seite nicht - z.B. aufgrund mangelnder Konfliktfähigkeit -, beginnen meist beide Partner, Schutzmauern aufzubauen und hinter diesen Mauern nicht selten auch ihr eigenes Leben zu gestalten.

 

Einmal gebaute Mauern sind ohne professionelle Hilfe schwer wieder einzureißen. Meist haben sich zu viele Verletzungen aufgestaut, die zwar hin und wieder angesprochen, aber niemals befriedigend geklärt wurden. Ist aber das Vertrauen weg, sich ungeschützt öffnen zu können, entwickelt sich Kommunikation häufig zur psychologischen Kriegsführung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, an dem das Zusammenleben des Paares mehr einer Wohngemeinschaft als einer Liebesbeziehung nahe kommt, müssen die alten Konflikte bearbeitet werden, um nochmal eine neue Basis finden zu können. Ich unterstütze Sie u.a. dabei, Ihre alten Verletzungen zeigen und Ihre jeweiligen Bedürfnisse formulieren zu können, ohne dass die üblich gewordenen Streits dabei eskalieren.

Irgendwann verzweifeln die meisten an den Unterschieden, die sie am Anfang so interessant fanden!

Zunge raus