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Midlife-Crisis

Die Sinnkrise in der Lebensmitte, die sog. „Midlife Crisis“, ist zu einem Massenphänomen geworden, was zahlreiche Psychologen nicht überrascht. Nach C.G. Jung ist der Mensch in der ersten Lebenshälfte damit beschäftigt, seinen Platz in der Außenwelt zu finden bzw. zu erkämpfen. Dazu gehören berufliche Positionierung und Aufstieg, Partnerschaft, Kinder, Haus sowie ggf. Hobbys oder Ämter in gesellschaftlichen Vereinigungen. Irgendwann kommt der Punkt, wo man seine einstigen Ziele mehr oder weniger erreicht hat und ein Zwischenfazit zieht. In dieser Phase erfahren die errungenen oder entbehrten Erfolge in der Regel eine Neubewertung. Emotionale Bedürfnisse wie Verbundenheit, innerer Frieden oder Sinnfindung bekommen einen höheren Stellenwert. Die Orientierung auf die nach außen vorzeigbaren Ergebnisse wird abgelöst von einer stärkeren Fokussierung auf die inneren Bedürfnisse - beim Einen Schritt für Schritt beim Anderen auch schlagartig.

 

Dabei kann der Zeitpunkt bei Männern und Frauen durchaus verschieden sein - je nachdem, welche Rollenmodelle gelebt werden. Beim Mann tritt eine Sinnkrise am häufigsten ein, wenn die klassischen Ziele des „Ernährers“ - anerkannte Berufsposition, Familie, Wohneigentum - erreicht sind. Manchmal auch, wenn sich zeigt, dass ein Wunsch unerfüllbar bleibt. Insofern kann Erfolg genauso ernüchternd erlebt werden wie Scheitern.   

  

Bei Frauen ist der kritischste Zeitpunkt, wenn die Kinder das Haus verlassen - manchmal auch wenn diese „aus dem Gröbsten raus sind“. Frauen sind immer noch diejenigen, die für Aufbau und Versorgung der Familie mehr aufgeben als Männer. Im Zweifelsfall stecken sie bei Ausbildung oder beruflichem Aufstieg zurück, je nachdem in welcher Lebensphase die Kinder geboren werden. Fällt die in Atem haltende und damit auch sinngebende „Bemutterung“ des Nachwuchses weg, entsteht plötzlich eine Leere, die gefüllt werden möchte. Anders als beim Mann bekommen jetzt frühere Ziele, Wünsche und Bedürfnisse, die vernachlässigt oder sogar ganz aufgegeben wurden, wieder ein neues Gewicht. Man könnte auch sagen, während der Mann in der Midlife Crisis sein emotionales Innenleben entdeckt, sehnt sich die Frau nach den vernachlässigten Perspektiven ihrer früheren Eigenständigkeit.

 

Es ist offensichtlich, dass beide Fälle Auswirkungen auch auf die partnerschaftliche Beziehung haben. Schleichende Entfremdungen, die bisher durch die Alltagsherausforderungen zugedeckt wurden, treten jetzt offener zu Tage und werden verstärkt wahrgenommen. Vieles, was bisher Sicherheit und Stabilität bedeutete, wird plötzlich als Einengung und aufgezwungene Begrenzung erlebt. Die Midlife Crisis des Einzelnen wird so in der Regel auch zur Sinnkrise der Beziehung. Und unabhängig davon, von wem diese Krise ausgeht, werden dadurch auch immer die Lebensentwürfe beider Partner in Frage gestellt.

 

Durchaus unterschiedlich ist der Umgang mit dieser Situation innerhalb der einzelnen Paarbeziehungen. Einige machen die Auseinandersetzung mit diesen Sinnfragen lange alleine mit sich aus, was meistens dazu führt, dass der Partner sich zunehmend isoliert und dadurch auch immer hilfloser fühlt. Andere, die sich eine gute Kommunikationsfähigkeit in ihrer Beziehung bewahrt haben, setzen sich früher mit ihrem Partner über die Gefühle und Gedanken auseinander, die jetzt eine neue Priorität gewinnen.

 

Durch diese Unterschiede ergibt sich auch ein verschiedenartiger Beratungsbedarf, wenn solche Prozesse entweder für den Einzelnen oder für beide in eine Sackgasse geraten. Wird diese von beiden gleichermaßen wahrgenommen ist eine Paarberatung ein sinnvoller Weg aus diesem partnerschaftlichen Dilemma.

 

Im anderen Fall sind Einzelberatungen hilfreicher - und zwar unabhängig davon, ob man selbst in einer Sinnkrise steckt oder der Partner. Ist der Partner der Betroffene, besteht für einen selbst die Herausforderung oft darin, mit der eigenen Hilf- und Machtlosigkeit sowie mit dem Sich-Ausgeschlossen-Fühlen klar zu kommen.

 

In beiden Fällen biete ich Ihnen in meiner Praxis für Krisen- und Paarberatung

professionelle Unterstützung auf Basis lösungsorientierter und systemischer Therapieverfahren an.

Krise ist ein produktiver Zustand! Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

 

 

(Max Frisch)