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Verstehen

Verstehen (die systemische Arbeit)

 

Die meisten Paare nehmen professionelle Hilfe in Anspruch, damit sich etwa ändert – bevorzugt der Partner. Wenn Veränderungen jedoch einfach wären, müsste es Ihnen als Betroffenen auch alleine gelingen. An guten Vorsätzen hat es auch Ihnen bestimmt nicht gefehlt.

 

Der entscheidende Baustein, der Veränderungsprozessen häufig im Wege steht, ist ein Mangel an Verständnis – sowohl für sich selbst als auch für den Partner und das Beziehungssystem, das Sie im Laufe der Jahre gemeinsam entwickelt haben. Die Fähigkeit Denk- und Verhaltensmuster zu ändern, die für Sie und Ihre Partnerschaft destruktiv sind, setzt in der Regel voraus, dass Sie verstehen, warum Ihre bisherigen Änderungswünsche und -bemühungen nicht von nachhaltigem Erfolg gekrönt waren.

 

Sowohl die Art, wie wir kommunizieren, als auch die Bedürfnisse, die wir in einer Partnerschaft befriedigen wollen, haben ihren Ursprung in den allerersten Beziehungserfahrungen unseres Lebens. Gleiches gilt für die Maßstäbe, mit dem wir das Tun oder Nicht-Tun unseres Partners beurteilen. Aus diesen Zusammenhängen leiten sich zwei wesentliche Erkenntnisse ab:

  1. So wie unsere Eltern uns behandelten, so behandeln wir uns selbst – und in Folge dessen auch meist unseren Partner.
  2. Unser Verständnis von Lieben und Geliebt-Werden und die daraus resultierenden Bedürfnisse und Sehnsüchte entspringen unseren positiven wie negativen Liebeserfahrungen in den Beziehungen zu unseren Eltern.

Obwohl diese Erkenntnisse schon immer der psychologischen Arbeit zugrunde lagen, erfolgte eine wissenschaftliche Untersuchung der Auswirkungen erster Bindungserfahrungen erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Das Ergebnis ist die Definition unterschiedlicher Bindungsstile, die wir als Geschenk oder Hypothek unserer Kindheit mit in unsere Beziehungen nehmen.

 

Um sich selbst und den Partner besser zu verstehen, ist es notwendig zu begreifen, welche Prägungen Sie in der Gestaltung Ihrer Beziehungen heute noch beeinflussen. So haben Sie die Chance, die Schutzmechanismen zu erkennen, die in manchen Gewohnheiten und Verhaltensmustern stecken. Diese Schutzmechanismen hatten ihren Sinn und Zweck als Sie sie damals entwickelt haben - vielleicht waren sie sogar überlebensnotwendig für Sie. Heute - in einer ganz anderen Situation - können Sie jedoch auch neue Entscheidungen für Ihr Denken und Handeln treffen.

 

Die Auseinandersetzung mit diesen Zusammenhängen und das Erkennen Ihrer ganz individuellen Denk- und Verhaltensmuster bewirken zwar allein noch keine Veränderung. Sie sind jedoch in der Regel eine notwendige Motivation, etwas wirklich aus eigenem Willen und vorrangig für sich selbst ändern zu wollen. Denn persönliche Veränderungen dem Partner zuliebe sind selten von längerer Dauer.

Das Ende der Liebe ist nicht der Streit, sondern die Gleichgültigkeit!